Allmorgendlicher Wahlkampf

 

Der Wecker klingelt,

ich schlage die Augen auf

und schon beginnt er,

mein allmorgendlicher Wahlkampf.

 

Nicht dass ich groß die Wahl hätte,

was ich heute tun kann.

Aufgaben liegen vor mir,

Arbeiten wiederholen sich in Routine

und Sorgen bestimmen mein Leben.

Menschen stellen Erwartungen an mich

und nur noch kleine Zeitfenster

stehen zur freien Verfügung.

 

 

Aber eine Wahl kann ich treffen,

die große Auswirkung hat:

Wie tue ich es?

 

Und wie die Kleidungsstücke, die ich anziehen werde,

liegen sie vor mir:

Möglichkeiten einer inneren Haltung,

mit der ich durch den Tag gehen werde.

 

Ich könnte schnell aus dem Bett springen

in einer „Alles-im-Griff-Haltung“

und mit dazu gehörigem gehetzten Gesichtsausdruck

mich in den Tag stürzen.

Oder die „Alles-zuviel-Haltung“ einnehmend

langsam und gebückt in den Tag hineinschlurfen,

niedergedrückt von der Last meiner Sorgen.

 

Schwierig ist auch die Wahl

zwischen der „Gegen-Alles-Haltung“

oder der „Alles-egal-Haltung“.

Entweder misstrauisch, grollend aufstehen

oder mich einfach umdrehen und weiterschlafen.

 

Und dann ist da noch die

„Alles-muss-mir-zum-Besten-dienen-Haltung“,

nicht leicht einzunehmen, weil sie immer wieder

eine  bewusste Entscheidung  erfordert.

Aber mit ihr könnte ich fröhlich und erwartungsvoll

in den Tag starten.

 

Und während ich

schlaftrunken

meine Wahl treffe,

weiß ich schon,

dass sie darüber

entscheiden wird,

ob dieser Tag eine

einzige Wahlniederlage wird

oder ich heute Abend

Wahlsieger bin.

Ann Kathrin Horstmann